Am Samstag, den 11. Juli 2026 erschien im Westfälischen Anzeiger Bönen* nachstehende Kolumne des Hirten im Ruhestand Jürgen Koschker.
Als ein Vertreter der älteren Generation kann ich mich noch gut an die Tage erinnern, an denen es während meiner Schulzeit „Hitzefrei“ gab und statt Unterricht Freizeit angesagt war. Das bedeutete nicht, dass die Hitze vorbei war, aber es war möglich, von der Temperatur her angenehmere Orte aufzusuchen als im überhitzten Klassenraum zu sitzen und zu schwitzen.
Hitze, wie wir sie zurzeit aufgrund des Klimawandels erleben löst nicht mehr überwiegend Freude aus, sondern kann je nach Alter und Gesundheitszustand auch sehr schädigend und belastend sein. Möglicherweise werden deshalb im biblischen Zusammenhang Hitze oder Feuer mit belastenden Situationen in Verbindung gebracht. Im Petrusbrief heißt es: „Ihr Lieben, lasst Euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames. (1. Petrus 4,12-LU84). In der Elberfelder Übersetzung wird nicht von Hitze, sondern vom Feuer der Verfolgung gesprochen.
Auch wenn wir als Christen in unserem Land nicht wegen unseres Glaubens verfolgt werden, erleben wir Zeitabschnitte von „Glaubenshitze“, wenn im persönlichen Umfeld schwierige Lebenssituationen und Belastungen eintreten, die an unsere Vorstellung von einem Gott der Liebe rütteln und die altbekannte „Warum-Frage“ aufwerfen. Diese Kategorien von Glaubenshitze gehören im Grunde vorübergehend oder dauerhaft zum christlichen Alltag. Allerdings finden wir in den Psalmen Hinweise, wie wir als Christen mit der „Hitze des Tages“ umgehen können. Als Schutz gegen die natürliche Hitze hilft schon das Aufsuchen von Schatten. David spricht vergleichsweise davon in Psalm 57, 2: „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe“ oder auch im Psalm 68. 1: „Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.“
Ich wünsche Ihnen und mir immer wieder neu ein solches Erleben des wohltuenden und bewahrenden „göttlichen Schattens“, sei es im persönlichen Gebet oder auch in der Gemeinschaft ihrer Gemeinde!
Jürgen Koschker
Neuapostolische Kirche
*Bisher erschienene Kolumnen können mit diesem Link eingesehen werden.
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