Der lange erwartete Gottesdienst, den Apostel René Follmann am Karfreitag in der Kamener Kirche feierte, entwickelte sich zu einem besonderen Gottesdienst- und Gemeinschaftserleben. Dazu trugen die Wortverkündigung, die musikalischen Beiträge und die Ruhesetzung von drei Amtsträgern der Kirchengemeinde Kamen bei. Bischof Olaf Koch, die Bezirksleitung und Evangelist Uwe Stacke begleiteten den Apostel.
Zum besonderen Gemeinschaftserleben gehörte auch, dass Apostel i.R. Klaus-Dieter König mit seiner Gattin Ruth an diesem Gottesdienst teilnehmen konnte. Apostel König befindet sich seit dem Jahr 2005 im Ruhestand und besucht mit seiner Gattin die Gottesdienste in Lippstadt im Kirchenbezirk Paderborn. Auch Bischof i.R. Karl-Erich Makulla konnte mit seiner Gattin Karin am Gottesdienst teilnehmen.
Dem Gottesdienst lag das Bibelwort aus Markus 15,39 zugrunde: "Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!"
Die Bibellesung aus Johannes 19, 16-30 führte letztmalig im aktiven Amt Priester Roland Baum durch.
Bedeutung geht über das Irdische hinaus
Apostel Follmann wies zu Beginn der Predigt auf die Bedeutung der aktuellen Feiertage hin, welche weit über das Irdische hinausgehe. In seinem Leben habe Christus immer auf das hingewiesen, was bedeutsam war und Glauben brauchte. Dieser Glaube schafft Ruhe und Sicherheit, betonte Apostel Follmann. Der Schächer am Kreuz, der Jesus gläubig bat, seiner zu gedenken, erlebte die bedeutsame Nächstenliebe Jesu.
Verhalten in Extremsituationen
In Extremsituationen zeige sich – so Apostel Follmann – was man in „normalen“ Zeitabschnitten gesagt habe und welche Maßstäbe angelegt wurden. In schwierigen Lebensphasen wird auch oft das „wahre Gesicht“ deutlich. Jesus verkörperte in seiner Extremsituation am Kreuz eine Ruhe, die aus seinem tiefen Gottvertrauen kam, er betete für seine Feinde und für den Schächer und schenkte seiner Mutter Maria irdische und geistliche Sicherheit, als er seinen Jünger Johannes zu ihrem Sohn ernannte.
Hinweise zu den Ruhesetzungen
Mit Blick auf die in diesem Gottesdienst durchzuführende Ruhesetzung der Priester Bernd Tratzka und Roland Baum und des Diakons Gerhard Salewsky bat Apostel Follmann noch um kurze Predigtbeiträge der drei Amtsträger.
Das klopfende und das brennende Herz
Diakon Salewsky begann mit dem Hinweis auf sein klopfendes Herz und wies darauf hin, dass im erlebten Gottesdienst brennende Herzen zusammen waren. Die Emmausjünger waren - obwohl sie gehört hatten, dass Jesus auferstanden sei – immer noch gefangen in ihrer Trauer und in ihrer Enttäuschung. Erst als Jesus mit ihnen Abendmahl feierte, spürten sie, dass ihre Herzen brannten. Mit Dank an die Gemeinde beendete Diakon Salewsky den Predigtbeitrag.
Glauben können und wollen
Priester Tratzka wies nach einleitenden Worten auf die Extremsituation von Paulus und Silas hin, die in Philippi zu Unrecht ins Gefängnis geworfen wurden (Apostelgeschichte 16, 23-34). Der zitternde Kerkermeister stellte Paulus und Silas nach dem Erdbeben, durch welches alle Fesseln abfielen und sich alle Türen öffneten, die Frage, was er tun solle. Die beiden antworteten ihm, dass er nur an Jesus glauben müsse. Daraus – so Priester Tratzka – kann jeder viel lernen. Wenn wir glauben wollen, wird Gott immer helfen, dass wir auch glauben können. In seinen Dankesworten an die Kirchengemeinde äußerte Priester Tratzka wörtlich: „Ihr habt mich so genommen wie ich bin.“
Von guten Mächten
Priester Roland Baum lenkte zunächst den Blick auf den Altarblumenschmuck, in dem symbolisch die Elemente des Karfreitags zu finden waren: Ein Dornenkranz, ein Kreuz, zwei weiße Rosen für die Schächer, eine rote Rose für Jesus, der nach oben strebende grüne Zweig als Zeichen der Liebe Christi.
Dann zitierte er das bekannte Lied „Von guten Mächten“, in welchem Dietrich Bonhoeffer ebenfalls in einer Extremsituation seinen Blick auf die Engelmacht Gottes richtete und mit Gottvertrauen alles in Gottes Hand legte. Gott sei mit uns am Abend und am Morgen, unterstrich Priester Baum in seinen Dankesworten an die Gemeinde.
Schuldgefühle
In der Vorbereitung zur Feier des Heiligen Abendmahls rückte Apostel Follmann den Hauptmann in den Mittelpunkt und erwähnte, dass dieser möglicherweise in der Erkenntnis, dass Jesus Gottes Sohn sei, Schuldgefühle gehabt habe, weil durch ihn Jesus den Kreuzestod fand. Schuldgefühle können sich bei sündigen Menschen immer entwickeln, aber Gott sei ein Gott der Gnade und der Liebe.
Ruhesetzungen
In der Ansprache an die drei Amtsträger bezog sich Apostel Follmann zunächst darauf, dass ca. 120 Amtsjahre durch alle drei Amtsträger zusammen erreicht wurden. Durch Loyalität und Zuverlässigkeit hätten sie sich immer ausgezeichnet. Diakon Salewsky sei ein Allrounder gewesen, der in allen Diensten und Mitwirkungen sehr aktiv und mitdenkend tätig gewesen sei. Priester Baum habe sich durch freudiges und tiefgründiges Dienen ausgezeichnet und sei als Techniker auch außerhalb der Seelsorge gut einsetzbar gewesen. Priester Tratzka offenbarte immer ein stilles, ruhiges aber präsentes Herz für seine Glaubensgeschwister und in der Seelsorge. Mit einem Blumenstrauß und einem Präsent aus dem Kreis der aktiven und der im Ruhestand lebenden Amtsträger übermittelte Vorsteher Karsten Kramer dankende und lobende Worte an die nun im Ruhestand befindlichen drei Amtsträger.
Besondere musikalische Beiträge
Der gemischte Chor und der Musikkreis (Blockflöten, Querflöte, Trompete und Orgel) erfreute die Gemeinde bereits mit mehreren Vorträgen vor Gottesdienstbeginn. Im Gottesdienst trug der Musikkreis die Wunschlieder der drei für den Ruhestand vorgesehenen Amtsträger vor.
Dieser besondere Karfreitagsgottesdienst wird - auch aus musikalischer Sicht - in guter Erinnerung bleiben.
29. März 2024
Text:
Redaktion Bezirk,
Rita Salewsky
Fotos:
Manfred Wind
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