Ein Gespräch an der Kirchentür, ein offenes Ohr oder einfach das Gefühl, dass jemand da ist. Seelsorge hat viele Gesichter. Darüber tauschten sich am Sonntag, 11. Oktober 2026, nach dem Gottesdienst 18 Gemeindemitglieder in Hamm-Werries aus.
Wer denkt bei Seelsorge nicht zuerst an ein Gespräch mit einem Amtsträger oder einer Amtsträgerin? Doch Seelsorge beginnt oft viel früher: wenn wir einen anderen Menschen bewusst wahrnehmen, ihm zuhören oder einfach für ihn da sind.
In der ruhigen und intensiven Gesprächsrunde wurde deutlich, wie unterschiedlich Seelsorge erlebt werden kann. Manchmal hilft ein Besuch, ein Telefonat oder ein freundliches Wort. Und manchmal ist es schon viel wert, wenn jemand zuhört, ohne gleich eine Lösung anbieten zu müssen.
Wie viel Nähe tut gut?
Auch ganz alltägliche Begegnungen kamen zur Sprache. Ein kurzes Gespräch an der Kirchentür kann bereits Seelsorge sein. Doch nicht jeder Mensch wünscht sich dieselbe Form von Zuwendung.
Besonders bei Menschen, die nach längerer Zeit wieder einen Gottesdienst besuchen, braucht es Fingerspitzengefühl. Was gut gemeint ist, kann auch als Einmischung empfunden werden.
Sollten wir deshalb von uns aus auf andere zugehen? Oder besser warten, bis jemand ausdrücklich um ein Gespräch bittet? Darüber gab es unterschiedliche Auffassungen. Gerade diese Frage machte deutlich, wie wichtig es ist, die Wünsche und persönlichen Grenzen des anderen zu respektieren.
Seelsorge ist keine Einbahnstraße
Ein Gedanke begleitete das Gespräch besonders: Jeder Mensch braucht irgendwann Trost, Unterstützung oder jemanden, der einfach zuhört. Gleichzeitig kann jeder selbst einem anderen Menschen etwas davon schenken.
Seelsorge ist deshalb nicht allein Aufgabe der Amtsträger:innen. Sie findet überall dort statt, wo Menschen einander mit Liebe, Aufmerksamkeit und Respekt begegnen – innerhalb und außerhalb unserer Gemeinde.
„Einer trage des andern Last“
Zum Abschluss stand ein Bibelwort aus Galater 6,2 im Mittelpunkt: „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
In einer sinngemäßen Wiedergabe des griechischen Textes wird der Gedanke des Miteinanders besonders deutlich: „Tragt gegenseitig eure Lasten und erfüllt so das Gesetz Christi.“
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Nachmittags: Seelsorge beginnt damit, dass wir einander wahrnehmen. Und sie lebt davon, dass wir füreinander da sind – mal als Gebende, mal als Empfangende.
20. Oktober 2026
Text:
Dieter Schulze
Fotos:
Marion Holtschulte
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