Wegen der Corona-Krise veröffentlicht der Westfälische Anzeiger Bönen seit dem Zeitpunkt der geschlossenen Kirchen eine Kolumne 'Wort zum Sonntag', um den örtlichen Geistlichen den Kontakt zu den Gemeindemitgliedern zu erleichtern. Bischof Karl-Erich Makulla formuliert seine Gedanken für die Ausgabe am Ostersamstag.
Nachstehend gibt die Redaktion gern den ungekürzten Originaltext unseres Bischofs zur Kenntnis, da die Ausgabe im Westfälischen Anzeiger aus redaktionellen Gründen etwas gekürzt werden musste.
Originaltext:
Unsere Bundeskanzlerin hat es bereits angekündigt, dass wir dieses Jahr ein Ostern erleben, wie wir es noch nie erlebt haben. Sicher nimmt sie dabei direkten Bezug auf die derzeitige Kontaktsperre. Wir können uns Ostern nicht mit den Familien und Freundinnen und Freunden treffen. Als Christen können wir auch nicht gemeinschaftlich den Ostergottesdienst in unseren Kirchen feiern.
Mich bewegt der Gedanke, die oben genannte Aussage einmal ganz wörtlich für mich zu nehmen – ein Ostern zu feiern, so intensiv wie ich es noch nie getan habe! Ich meine damit, das Fest so zu feiern, dass ich mich ganz besonders auf den Schwerpunkt dieses christlichen Hochfestes besinne. Gerne lade ich Sie ein, mich dabei zu begleiten.
Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, stirbt sündlos den Kreuzestod, nimmt damit die Sünde der ganzen Welt auf sich und schafft dadurch die Erlösung, das Heil für alle Menschen. Sein himmlischer Vater lässt ihn nicht im Tod - Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu Christi vom Tod, das Fest des Lebens! Das Gute hat über das Böse gesiegt! Ist das nun nur eine fromme Geschichte? Hat das auch etwas mit mir, mit uns persönlich zu tun? Ich glaube schon, denn die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten ist ein wesentliches Element christlichen Glaubens.
Apostel Paulus erklärt in seinem ersten Brief den Korinthern, dass die Auferstehung Christi auch die Auferstehung der Toten miteinschließt: „Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. „(1. Korinther 15,20). Paulus zeigt auf, dass die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten zu dem Heil gehört, das Jesus Christus den Seinen verheißt. Der Glaube an Jesus Christus ermöglicht es ihnen, mit Christus auferweckt zu werden und mit ihm in einem neuen Leben zu wandeln.
Dieser Glaube an die Auferstehung wird nicht mehr von allen Christen geteilt, denn einige sehen die Auferstehung der Toten nur symbolisch, andere sprechen nicht mehr von ihr, weil sie noch immer nicht geschehen ist. Ich kann und will es weiter glauben – es gibt meinem Leben Licht, Hoffnung und Perspektive! Wenn morgen die Kirchenglocken nach den Tagen der Stille festlich den Ostersonntag einläuten, wenn ich im Videogottesdienst von der Auferstehung unseres Herrn höre, will ich mich dazu bekennen und sagen: Ja, er ist wahrhaftig auferstanden!
Ich wünsche Ihnen allen ein schönes, friedvolles und trotz der Corona-Pandemie hoffnungsvolles Osterfest – ein Osterfest, wie wir es noch nie erlebt haben!
Karl-Erich Makulla – 08.04.2020
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