Bereits zum dritten Mal luden die Evangelische und die Katholische Kirchengemeinde des Ortsteils Unna-Massen zu einem ökumenischen Spaziergang durch Massen-Nord ein. Erstmalig beteiligten sich auch die Neuapostolische und die Koptische Kirchengemeinde in diesem Jahr an dieser schönen Aktion und konnten gemeinsam Segenszeichen setzen.
Fast 100 Menschen der Massener Ökumene trafen sich am Samstag, den 7. März 2020 um 15:00 Uhr auf dem Parkplatz gegenüber der jüdischen Synagoge. Nach einer kurzen Begrüßung und einem Gruppenfoto wurde gemeinsam die erste Strophe aus dem irischen Segenslied „Möge die Straße uns zusammenführen" gesungen. Der in dem Lied ausgedrückte Wunsch nach Gottes Bewahrung hat rückschauend durch die derzeitigen Corona-Ereignisse noch einmal einen tieferen Sinn erhalten.
Stationen und Segenszeichen
Weitere Stationen auf dem Spaziergang waren anschließend der Platz der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule (vormals Buderus Schule), die Synagoge ha-Kochaw (das ehemalige ev. Bodelschwingh-Haus), die Buderus Siedlung, die Spielstube der Erstaufnahme-Einrichtung, der Hochschulcampus und schließlich die koptische Kirche (ehemals kath. Kirche St. Hedwig). Bei allen Stationen bot sich die Gelegenheit etwas über die Geschichten und Besonderheiten dieser Orte zu erfahren. Durch Gebete für die Menschen, die dort zusammenkommen und leben, wurden „Segenszeichen“ gesetzt und gemeinsam weitere Strophen irischer Segenswünsche gesungen.
Begrüßung und Ausklang mit Imbiss in der Koptischen Kirche
In der koptischen Kirche begrüßten die anwesenden Gemeindemitglieder die Spaziergänger mit einem Lied aus dem koptischen Gesangbuch. Text und Musik - ein wenig fremd für unsere Ohren – doch welch ein Erlebnis dann im Anschluss das von allen gemeinsam gesprochene und verbindende Gebet "Vater Unser".
Bei einem liebevoll zubereiteten Imbiss ließ man den Tag dann gemeinsam ausklingen.
Informationen zum ökumenischen Spaziergang
Massen-Nord steht in einem besonderen Verhältnis zum Begriff „Heimat“. Mit der Entstehung der Buderus-Siedlung hatten die Arbeiter und Familien der ehemaligen Zeche Massen seinerzeit hier eine neue Heimat gefunden. Nach dem zweiten Weltkrieg kam durch die westlich der Siedlung errichtete Landesstelle und heutige Erstaufnahme-Einrichtung ein besonderer Kontrast ins Bewusstsein: Heimat und die damit verbundene Möglichkeit seine Lebensentwürfe zu gestalten auf der einen Seite, Heimatvertriebene, Flüchtlinge, Menschen, die alles verloren haben, auf der anderen Seite. Bitter ist die Tatsache, dass dieser Kontrast auch nach vielen Jahrzehnten immer wieder neu zurückkehrt.
Seit ein paar Jahren haben unsere Schwestern und Brüder jüdischen Glaubens, der koptischen Kirche und der evangelisch-freikirchlichen Kirche (Baptisten) in Massen-Nord nach und nach Gotteshäuser beziehen können – ein Stückchen Heimat - um auf ihre Art und Weise Gott zu ehren und ihren Glauben zu leben. Das schafft allen ein wenig Hoffnung.
In diesem Sinne: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand“
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